11. August 2026

IDML-Datei, INDD, XLIFF: welche Datei bei der Übersetzung wirklich zählt

Das Wichtigste in Kürze

  • IDML ist das Austauschformat, das Übersetzungswerkzeuge lesen können. INDD ist das Original.
  • Wer INDD ohne InDesign verarbeiten will, braucht Adobe InDesign Server. Die Lizenz lohnt sich für einzelne Unternehmen selten.
  • XLIFF und TMX sehen Sie meist nicht. Beide entstehen im Werkzeug Ihres Dienstleisters und bestimmen trotzdem, was wiederverwendbar bleibt.
  • Der Kostentreiber ist nicht das Format, sondern die Zahl der Übergaben zwischen den Formaten.

Ihr Übersetzungsdienstleister fragt nach einer IDML-Datei, weil Übersetzungswerkzeuge das binäre INDD-Format nicht lesen können. IDML ist XML-basiert und gibt Text samt Formatierung als Auszeichnung heraus. Der Text verlässt damit das Layout, und genau an dieser Stelle entsteht der Aufwand, der später auf keiner Rechnung steht.

.indd

Das Original

Die Datei, aus der gedruckt wird

.idml

Die Ableitung

Was der Dienstleister anfordert

.xliff

Der Zwischenstand

Läuft im Werkzeug, unsichtbar

.tmx

Der Bestand

Gehört Ihnen, nicht dem Dokument

Aufgeschlagene Broschüre mit deutschsprachigem Layout, von Hand durchgeblättert

1Was ist eine IDML-Datei?

Eine IDML-Datei ist das XML-basierte Austauschformat von Adobe InDesign. Sie enthält denselben Text und dieselbe Formatierung wie das Original, aber in einer Struktur, die andere Programme lesen können.

Übersetzungswerkzeuge brauchen dieses Format, weil sie mit dem binären InDesign-Dokument nichts anfangen können. Erzeugt wird es in InDesign über Datei > Exportieren und die Auswahl InDesign Markup (IDML). Ab InDesign CS4 steht es zur Verfügung.

Technisch ist eine IDML-Datei ein ZIP-Archiv aus mehreren XML-Dokumenten, die Absatzformate, Zeichenformate, Textrahmen und deren Verkettung beschreiben. Wichtig ist aber, was nicht darin steckt:

Wer nur die IDML weitergibt, gibt also ein Dokument weiter, das beim Empfänger anders aussieht als im eigenen Haus.

InDesign-Exportdialog mit ausgewähltem Dateityp InDesign Markup IDML

Der Export dauert Sekunden. Die Arbeit entsteht danach.

2IDML oder INDD: was ist der Unterschied?

INDD ist das Originaldokument, IDML eine Ableitung davon. Das Original ist binär und vollständig, die Ableitung ist lesbar und unvollständig.

.indd

Das Original

Binär, vollständig, nur mit InDesign zu öffnen. Enthält Layout, Verknüpfungen und alle Einstellungen. Dies ist die Datei, aus der das druckfähige PDF entsteht.

.idml

Die Ableitung

XML in einem ZIP-Archiv, von Übersetzungswerkzeugen lesbar. Enthält Text und Auszeichnung, verweist aber nur auf Bilder und Schriften.

In der Praxis bedeutet das: Der Text geht hinaus und kommt zurück, aber nicht als dasselbe Dokument. Sie exportieren INDD nach IDML, der Dienstleister übersetzt, die IDML kommt zurück, und Sie öffnen sie wieder in InDesign.

Das Ergebnis ist ein neues Dokument, nicht Ihr altes. Jede Einstellung, die im Original stand und in der IDML nicht abgebildet ist, muss danach geprüft werden. Der Rückweg funktioniert, aber er ist ein Rückbau und keine Aktualisierung des Originals.

3Kann man eine INDD-Datei ohne InDesign öffnen?

Nicht mit Bordmitteln. INDD ist ein geschlossenes Binärformat, und Adobe stellt keine freie Bibliothek dafür bereit. Serverseitig verarbeiten lässt es sich nur mit Adobe InDesign Server.

InDesign Server ist die Serverversion von InDesign. Sie hat keine Benutzeroberfläche und wird über die Skriptschnittstelle angesprochen, die Adobe in seiner Entwicklerdokumentation beschreibt. Damit lassen sich Dokumente automatisiert öffnen, verändern und ausgeben.

Der Haken ist die Beschaffung. Drei Punkte machen den Weg für Anwenderunternehmen unattraktiv:

Die Frage ist nicht, ob Sie InDesign Server anschaffen. Die Frage ist, ob Ihr Werkzeug bereits einen hat.

Sie wollen wissen, wie gut Ihr Layout eine Übersetzung übersteht? Der Layout-Check prüft ein Dokument auf die Stellen, die bei mehreren Sprachfassungen erfahrungsgemäß Probleme machen.

4Was spricht dafür, das Paket direkt zu übersetzen?

Wer das InDesign-Paket statt einer IDML in den Prozess gibt, spart den Rückbau und arbeitet auf dem Stand, der auch gedruckt wird.

Ein Paket enthält das INDD-Dokument, die verknüpften Bilder und die verwendeten Schriften in einem Ordner. Erzeugt wird es in InDesign über Datei > Verpacken. Vier Dinge ändern sich dadurch.

Was anders ist Warum es zählt
Keine Formatumwandlung Ohne den Schritt nach IDML und zurück entfällt die Fehlerklasse, die bei der Umwandlung entsteht: verlorene Zeichenformate, geänderte Verkettungen, Einstellungen, die in der Ableitung nicht abgebildet sind.
Bilder und Schriften sind dabei Die Seitenansicht während der Übersetzung entspricht dem, was später im PDF steht. Bei einer nackten IDML fehlen genau diese Bestandteile, und die Vorschau ist ein Näherungswert.
Übersetzen im dargestellten Layout Ein Übersetzer, der die Seite sieht, merkt sofort, wenn eine Überschrift zu lang wird. Ein Übersetzer, der im Werkzeug nur eine zweispaltige Segmenttabelle sieht, merkt es nicht.
Kein Reimport Es entsteht kein zweites Dokument, das mit dem Original abgeglichen werden muss. Der Stand bleibt einer.

Der Nachteil ist ebenso deutlich: nicht jedes Werkzeug kann das. Die meisten Übersetzungswerkzeuge verlangen IDML, weil sie kein INDD lesen können und keinen InDesign Server betreiben. Die Frage an einen Anbieter lautet deshalb konkret: Nehmen Sie das komplette Paket entgegen, oder brauchen Sie eine IDML?

InTO-Editor: links die Segmentliste, in der Mitte das native InDesign-Layout, rechts Ausgangstext, Übersetzung und ähnliche Einträge aus dem Translation Memory

In der Mitte steht das native InDesign-Layout. Den Text klicken Sie dort direkt an und bearbeiten ihn. Rechts stehen ähnliche Einträge aus dem Translation Memory, sodass Übersetzung und Prüfung konsistent bleiben.

5Wo taucht XLIFF auf?

XLIFF ist das Format, in dem Übersetzungswerkzeuge intern arbeiten. Sie sehen es meistens nicht.

Das Werkzeug zerlegt Ihre IDML in Segmente und legt sie als XLIFF ab. Übersetzt wird in dieser Struktur, und daraus baut das Werkzeug wieder eine IDML. XLIFF steht für XML Localization Interchange File Format und ist ein OASIS-Standard.

Sein Zweck ist Unabhängigkeit vom Ausgangsformat. Ob der Text aus InDesign, aus Word oder aus einer Software-Oberfläche stammt, im XLIFF sieht er gleich aus. Genau das macht das Format nützlich und gleichzeitig blind für das Layout.

Relevant wird XLIFF für Sie in zwei Situationen:

6TMX ist kein Ergebnis, sondern Bestand

TMX ist das Austauschformat für Translation Memories, also für Ihre bereits übersetzten und freigegebenen Sätze. Es ist das einzige Format in dieser Aufzählung, das nicht zu einem Dokument gehört, sondern zu Ihrem Unternehmen.

Ein übersetzter Katalog ist ein fertiges Produkt. Ein gepflegtes Translation Memory ist ein Bestand, der jedes weitere Projekt günstiger macht.

Der Unterschied ist wirtschaftlich bedeutsam, weil bereits freigegebene Passagen nicht erneut übersetzt und nicht erneut geprüft werden müssen. Daraus folgt eine Frage, die in Ausschreibungen häufig fehlt:

Wem gehört das Translation Memory, und in welchem Format bekommen Sie es heraus? Wenn ein Dienstleister den Bestand hält und nicht als TMX herausgibt, ist ein Wechsel teuer, unabhängig davon, wie gut die Konditionen aussehen.

7Der eigentliche Kostentreiber: Die Datei pendelt

Nicht das Format kostet Geld, sondern die Zahl der Übergaben. Jede Umwandlung ist eine Stelle, an der etwas verloren gehen kann und an der jemand prüfen muss, ob etwas verloren gegangen ist.

Schritt Was dabei passieren kann
INDD nach IDML exportieren Verknüpfungen und Schriften bleiben zurück
IDML nach XLIFF zerlegen Auszeichnungen mitten im Satz werden zu Platzhaltern
Übersetzung und Prüfung Die Seite ist nicht sichtbar, die Textlänge bleibt unbemerkt
XLIFF zurück nach IDML Formate kommen nicht immer vollständig zurück
IDML in InDesign öffnen Textüberlauf, verschobene Umbrüche, falsche Sprachattribute
Layout nacharbeiten Dieser Schritt fällt je Sprache erneut an

Bei zwei Sprachen ist das überschaubar. Bei vierzehn Sprachen und einer jährlichen Aktualisierung wird daraus der größere Teil des Projektaufwands, und zwar der Teil, der intern anfällt und deshalb in keiner Angebotsvergleichstabelle steht.

Diese fünf Fragen stellen Sie Ihrem Anbieter

  • Nehmen Sie das komplette InDesign-Paket entgegen, oder brauchen Sie eine IDML?
  • Sehen Übersetzer und Fachprüfer während der Arbeit die gesetzte Seite?
  • Wer trägt die Layoutnacharbeit nach dem Rücklauf, und ist sie im Preis enthalten?
  • Bekommen wir das Translation Memory als TMX heraus, ohne Zusatzkosten?
  • Was passiert mit Text, der in verknüpften Bildern steht?

8Wie InTO damit umgeht

InTO ist unsere Plattform für die Übersetzung von Dokumenten im Layout. InDesign-Dateien werden als INDD, als IDML oder als komplettes Paket hochgeladen und bleiben dort.

Für die Formatfrage bedeutet das dreierlei. Der Weg über eine IDML ist möglich, aber nicht nötig. Das Paket kann direkt verarbeitet werden, sodass Bilder und Schriften in der Ansicht zur Verfügung stehen. Und die Prüfung findet in der dargestellten Seite statt, nicht auf einem PDF-Ausdruck daneben.

Neben InDesign werden Word, PowerPoint und Excel unterstützt. Bei unserem Referenzkunden Hörmann KG sah das Ergebnis so aus:

58 % weniger DTP-Kosten
69 % weniger Gesamtkosten der Übersetzung
30+ gepflegte Sprachen

Diese Zahlen stammen aus einem layoutintensiven InDesign-Portfolio, bei dem die DTP-Arbeiten zuvor vollständig extern vergeben waren. Bei anderem Ausgangspunkt fallen sie anders aus. Die Details stehen in der Fallstudie Hörmann, weitere Beispiele unter Referenzen.

Wo steht Ihr Prozess heute?

In 30 Minuten sehen wir uns gemeinsam an, wie Ihre mehrsprachigen Dokumente entstehen: welche Formate im Einsatz sind, wie viele Sprachfassungen Sie pflegen und wo die Freigabeschleifen Zeit kosten.

Sie erhalten anschließend eine schriftliche Auswertung, die auch die internen Aufwände enthält.

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Häufige Fragen

Wie erstelle ich eine IDML-Datei?

In InDesign über Datei > Exportieren und die Auswahl InDesign Markup (IDML). Wenn das Dokument verknüpfte Bilder oder nicht verbreitete Schriften enthält, geben Sie zusätzlich das über Datei > Verpacken erzeugte Paket mit, sonst fehlen diese Bestandteile beim Empfänger.

Kann ich eine IDML wieder in INDD umwandeln?

Ja. Öffnen Sie die IDML in InDesign und speichern Sie sie als INDD. Das Ergebnis ist ein neues Dokument, nicht Ihr ursprüngliches. Prüfen Sie danach Absatz- und Zeichenformate sowie die Verkettung der Textrahmen.

Welche Datei soll ich meinem Übersetzungsdienstleister geben?

Fragen Sie zuerst, ob er das komplette Paket verarbeiten kann. Wenn ja, geben Sie das Paket. Wenn nein, geben Sie die IDML zusammen mit den verknüpften Bildern und einer Liste der verwendeten Schriften.

Brauche ich InDesign Server?

Für ein einzelnes Unternehmen mit einer überschaubaren Zahl an Publikationen lohnt sich die Lizenz in der Regel nicht. Die sinnvollere Frage ist, ob das eingesetzte Übersetzungswerkzeug INDD bereits serverseitig verarbeiten kann.

Warum läuft der Text nach der Übersetzung über?

Weil die Zielsprache mehr Platz braucht als die Ausgangssprache. Das ist keine Fehlleistung des Übersetzers, sondern eine Eigenschaft von Sprache. Layouts, die eng auf die deutsche Textlänge gesetzt sind, laufen in mehreren Zielsprachen zwangsläufig über.

JK

Jae Hyun Kim

Director Sales & Marketing bei lisocon. Begleitet Industriekunden bei mehrsprachigen Dokumentationsprozessen, von der Formatfrage bis zur Freigabe in über 30 Sprachen.

Quellen