18. August 2026
Etwa zwei Drittel der zwölf Stationen eines mehrsprachigen InDesign-Laufs lassen sich automatisieren. Das verbleibende Drittel, Vorbereitung, Lektorat und Freigabe, bestimmt die Durchlaufzeit. Wer nur die zwei Drittel automatisiert, beschleunigt einen Ablauf, dessen Dauer an anderer Stelle entsteht. Dieser Beitrag geht den Lauf Station für Station durch, vom deutschen Ausgangsdokument bis zur freigegebenen Sprachfassung.
Inhalt

InDesign bringt eine vollständige Skriptschnittstelle mit. Automatisierbar sind Textextraktion, Formatzuweisung, Bildaustausch, Ausgabe und Stapelverarbeitung. Nicht automatisierbar sind fachliche Beurteilung und Freigabe, weil sie eine inhaltliche Entscheidung voraussetzen.
Über diese Schnittstelle lassen sich Dokumente ohne Eingriff öffnen, verändern, exportieren und schließen. Diese Schnittstelle ist die technische Grundlage für alles, was hier als automatisierbar beschrieben wird.
Adobe dokumentiert sie als Scripting DOM API und die neuere Erweiterungstechnik als UXP. Beide sind öffentlich beschrieben und nicht an einen Anbieter gebunden.
Skript auf dem Arbeitsplatz, InDesign Server und Plattform mit Prozesssteuerung. Die drei Stufen unterscheiden sich weniger in der Technik als darin, wie viele Beteiligte sie tragen.
| Stufe | Was sie leistet | Wo sie endet |
|---|---|---|
| Skript auf dem Arbeitsplatz | Wiederkehrende Handgriffe an der geöffneten Datei, Textexport, Formatzuweisung, Export je Sprache | Läuft, solange die Person da ist, die es geschrieben hat, und solange die InDesign-Version passt |
| InDesign Server | Verarbeitet Dokumente unbeaufsichtigt, ohne dass jemand InDesign geöffnet hat, Dutzende Dateien nacheinander | Braucht Betrieb, Lizenzierung und jemanden, der den Ablauf definiert |
| Plattform mit Prozesssteuerung | Verbindet die Verarbeitung mit Übersetzung, Lektorat, Rollen und Freigabe | Höherer Einstiegsaufwand, lohnt ab Wiederholung und mehreren Beteiligten |
Der Sprung von Stufe eins auf Stufe zwei ist ein technischer. Der Sprung von Stufe zwei auf Stufe drei ist ein organisatorischer.
Der zweite Sprung ist der wirksamere, sobald mehr als eine Person am Ablauf beteiligt ist.
Ein mehrsprachiger Lauf besteht aus mehr Schritten, als die meisten Prozessdiagramme zeigen. Neun der zwölf Stationen sind ganz oder teilweise automatisierbar, drei bleiben menschlich.

Neun von zwölf Stationen sind ganz oder teilweise automatisierbar. Die drei markierten Stationen bestimmen die Durchlaufzeit.
| # | Station | Automatisierbar? |
|---|---|---|
| 1 | Dokument vorbereiten: Formate statt lokaler Formatierung, Sprachattribut, Platzreserve | Nein, aber einmalig |
| 2 | Text mit Auszeichnungen aus dem Layout lösen | Ja |
| 3 | Vorübersetzung aus dem Translation Memory | Ja |
| 4 | Maschinelle Übersetzung des verbleibenden Textes | Ja |
| 5 | Terminologieprüfung gegen das Glossar | Ja |
| 6 | Fachliches Lektorat je Sprache | Nein. Der Ort des Lektorats ist gestaltbar, das Lektorat selbst nicht |
| 7 | Übersetzten Text ins Layout zurückschreiben | Ja |
| 8 | Umbruch und Textüberlauf prüfen | Teilweise. Erkennen ja, entscheiden nein |
| 9 | Sprachabhängige Bilder erkennen und tauschen | Teilweise. Erkennen ja, Bildinhalt erzeugen nein |
| 10 | Freigabe durch die Fachabteilung oder den Markt | Nein |
| 11 | Ausgabe je Sprache: PDF, Druckdaten, Archivfassung | Ja |
| 12 | Ablage, Änderungsstand, Nachvollziehbarkeit | Ja |
Die drei verbleibenden Stationen, Vorbereitung, Lektorat und Freigabe, sind in den meisten Organisationen für den größeren Teil der Kalenderzeit verantwortlich.
Zu den Stationen 3 bis 5 gehört die Frage, welche Maschine dort eingesetzt wird und wo deren Grenze im Layout liegt. Dazu mehr im Beitrag über die Entwicklung der KI-Übersetzung.
Eine Automatisierung, die bei Station 7 endet, verkürzt den Lauf kaum. Der Text ist dann schneller im Layout und wartet dort genauso lange auf das Lektorat wie vorher.
Sie wollen wissen, wie viel Layoutnacharbeit bei Ihnen nach der Übersetzung anfällt? Der Layout-Kosten-Rechner schätzt den Anteil anhand von zwei PDF-Fassungen desselben Dokuments.
Weil die Stationen 6 und 10 als menschlich abgehakt werden. Das ist nur zur Hälfte richtig: Das Lektorat ist eine fachliche Leistung, die Umgebung des Lektorats dagegen eine Prozessentscheidung.
Und diese Entscheidung ist der größte Hebel im ganzen Ablauf. Es gibt zwei verbreitete Varianten.
Bei vierzehn Sprachen bedeutet die erste Variante vierzehn parallele Vorgänge mit vierzehn Zwischenständen und mindestens zwei Runden je Sprache.
In der zweiten Variante ist der Überlauf an derselben Stelle sichtbar, an der er behoben wird.
Der Unterschied ist keine Frage von Rechenleistung. Er ist die Frage, ob das Lektorat im Dokument stattfindet oder daneben.
Automatisierung verstärkt die Struktur, die vorhanden ist. Ist die Struktur unsauber, verstärkt die Automatisierung den Fehler. Fünf Voraussetzungen entscheiden darüber, ob sich der Aufwand rechnet.
Ein Skript ist kein einmaliger Aufwand, sondern ein kleines Softwareprodukt mit einem Lebenszyklus. Vier Dinge ändern sich verlässlich und machen Pflege nötig.
Der letzte Punkt ist in der Praxis der häufigste. Eine Automatisierung, die nur eine Person versteht, ist ein Risiko und kein Prozess.
Rechnen Sie bei Eigenentwicklungen mit laufender Pflege und klären Sie vorher, wer sie übernimmt.
InTO deckt die Stationen 2 bis 5, 7, 11 und 12 automatisiert ab und verlegt die Stationen 6 und 8 in das dargestellte Layout.
Die DTP-Verarbeitung läuft über einen eingebundenen InDesign Server. Auf Ihrer Seite wird also keine zusätzliche Software benötigt, die Beteiligten arbeiten im Browser.
Konkret heißt das für einen Lauf über dreißig Dokumente in zwölf Sprachen:
Was InTO nicht automatisiert: die Vorbereitung Ihres Dokuments und die fachliche Entscheidung.
Ein Layout ohne Formate und ohne Platzreserve macht auch eine Plattform nicht schneller. Welche Datei dabei zwischen den Stationen wandert, beschreibt der Beitrag IDML-Datei, INDD, XLIFF: welche Datei wirklich zählt.
In 30 Minuten gehen wir die zwölf Stationen an Ihrem realen Ablauf durch und markieren, welche bei Ihnen heute automatisiert sind, welche es sein könnten und wo die Kalenderzeit tatsächlich entsteht. Sie erhalten das Ergebnis schriftlich.
30 Minuten Prozessanalyse vereinbarenFür einfache, wiederkehrende Handgriffe reichen fertige Skripte und Vorlagen. Sobald Übersetzung, Terminologie und Freigabe beteiligt sind, ist es kein Skriptthema mehr, sondern eine Prozessfrage, und dann geht es um ein Werkzeug statt um eine eigene Entwicklung.
InDesign Server verarbeitet Dokumente unbeaufsichtigt, ohne geöffnete Anwendung. Sinnvoll ist er, wenn viele Dateien in vielen Sprachen regelmäßig durchlaufen. Bei einzelnen Dokumenten steht der Betriebsaufwand in keinem Verhältnis. In serverbasierten Plattformen ist er bereits enthalten.
Beim Übersetzungsschritt sehr viel, beim Gesamtdurchlauf nur so viel, wie die Lektorats- und Freigabeschleifen zulassen. Wenn die Freigabe weiterhin über PDF und E-Mail läuft, bleibt die Durchlaufzeit trotz Automatisierung im Wesentlichen gleich.
Nein. Database Publishing erzeugt Layouts aus einer Datenquelle, etwa Produktdaten in einem Katalog. Mehrsprachige Automatisierung erzeugt Sprachfassungen eines bestehenden Layouts. Die beiden lassen sich verbinden, sind aber unterschiedliche Aufgaben mit unterschiedlichen Werkzeugen.
Das ist vor jedem Update zu prüfen. Adobe hat die Erweiterungstechnik auf UXP umgestellt, ältere Erweiterungen laufen nicht zwingend weiter. Planen Sie einen Test der Automatisierung als festen Teil jedes Versionswechsels ein.
Jae Hyun Kim
Director Sales & Marketing bei lisocon. Begleitet Industriekunden bei mehrsprachigen Dokumentationsprozessen, von der Formatfrage bis zur Freigabe in über 30 Sprachen.
Quellen